2.3 Konzept Berufsorientierung[23]

2.3.1 Einleitung/Rahmenbedingungen

Die Sekundarschule Kreuzau/Nideggen existiert seit 2012. Berufsorientierung wurde direkt bei der Gründung thematisiert und das bedeutete für uns, schnellstmöglich ein Konzept zu erstellen und Kontakte zu externen Institutionen (Firmen, Kollegs, Behörden) aufzubauen. Inzwischen ist das Übergangssystem „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) des Landes Nordrhein-Westfalen fester Bestandteil des Schulprogramms.

 

Nach dem Ende der Schulzeit beginnt für die Schülerinnen und Schüler ein neuer Lebensabschnitt. Sie hoffen auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, um langfristig von den Eltern ökonomisch unabhängig zu werden und ein selbständiges Leben aufbauen zu können. Die meisten Jugendlichen träumen nach wie vor von einem Beruf, der ihnen sowohl Zufriedenheit und Selbstwertgefühl als auch materielle Sicherheit verschafft. Ihre Berufswünsche orientieren sich eher an Modeberufen oder an eigenen - oftmals nicht verifizierten - Vorstellungen von Berufsbildern als an den Anforderungen und Angeboten des Arbeitsmarktes.

 

Hier ist von Seiten der Schule ein frühzeitiges Einwirken notwendig, um das Berufswahlspektrum realitätsnah zu erweitern - insbesondere im Hinblick auf die räumliche Lage unserer Schule, bzw. dem Wohnort der Jugendlichen. Wir befinden uns in einem ländlichen Raum der Nordeifel (Nideggen) und einem stadtnahen (Kreuzau); Landwirtschaft, Handwerksbetriebe, Gastronomie sowie mehrere Betriebe der Papierindustrie prägen diesen Wirtschaftsraum. In den letzten Jahrzehnten ist es zu einer enormen Zunahme der Berufspendler in die benachbarten Städte und Ballungsräume gekommen. Der Aspekt der räumlichen Mobilität muss somit Berücksichtigung finden.

 

Ziel der Berufsorientierung ist es, den Schülerinnen und Schülern Einblicke in das Arbeitsleben zu vermitteln, Orientierungshilfen für die eigene Berufswahl zu geben und sie auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes realitätsnah vorzubereiten.

 

Beginnend in der 5. Jahrgangsstufe werden in den Fächern Gesellschaftslehre, Englisch und Deutsch - oftmals fächerübergreifend- berufsbezogene Themen erarbeitet, ab der 6. Jahrgangsstufe wird im Fach Arbeitslehre intensiv die individuelle Auseinandersetzung mit der eigenen Selbsteinschätzung und Lebensplanung angegangen. Zu den Themen gehören:

  • Kompetenzraster,
  • die Entwicklung von Berufsbildern,
  • Berufe im Handwerk und in der Industrie,
  • die Industrialisierung,
  • Ausbildung und Arbeit sowie Arbeitslosigkeit,
  • Arbeitsbedingungen und Arbeitsschutz,
  • berufliche Mobilität/Berufspendler,
  • die Bewerbung (Lebenslauf, Anschreiben, Anlagen).

 

Darüber hinaus erkunden die Schülerinnen und Schüler die Arbeitsplätze ihrer Eltern, setzen sich intensiv mit ihren Berufsüberlegungen auseinander, nehmen an betrieblichen Erkundungen teil, lernen die unterschiedlichen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung (BIZ, Internet, Printmedien) kennen und messen schließlich ihre Vorstellungen an den Anforderungen der Ausbildungsberufe und der Realität des Ausbildungsmarktes.

 

Die Teilnahme am Landesprogramm „Kein Abschluss ohne Anschluss“, Besuche bei der Berufsberatung in der Arbeitsagentur oder Besuche des Berufsberaters/der Berufsberaterin in der Schule sowie das Praktikum vervollständigen das Berufsorientierungskonzept.

 

[23] S. auch Konzept Berufsorientierung - Langfassung

2.3.2 Berufsorientierung in den einzelnen Jahrgangsstufen

In den Jahrgangsstufen 5 bis 7 geht es um themenspezifische Bezüge im Rahmen der verschiedenen Unterrichtsfächer. Zusätzlich ab der 6. Jahrgangsstufe wird einstündig in allen Klassen wöchentlich das Fach Arbeitslehre mit dem Schwerpunkt Berufsorientierung angeboten. Hier geht es zunächst um die Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten und Stärken, ein individueller Stärkensteckbrief steht am Ende der Unterrichtsreihe. In der Folge beschäftigen sich die SuS mit den Themen „Teamarbeit“, „Konfliktlösung“ sowie „Verantwortung tragen“. Es folgt die Erkundung von Arbeitsplätzen in der Umgebung, um die dazugehörigen Berufsbilder kennenzulernen. Eine weitere Unterrichtsreihe beinhaltet das Thema „Der Wandel in der Arbeitswelt“, wünschenswert ist hier ein fachübergreifender Unterricht mit Gesellschaftslehre (Zünfte, Berufe früher und heute).

 

In der 7. Jahrgangsstufe werden im Unterricht zunächst die bereits erarbeiteten Unterlagen und Materialien geordnet und systematisiert, ein „Berufswahl-Portfolio“ angelegt, hier ist es wünschenswert, fachübergreifend mit Informatiklehrern zu erarbeiten, wie Ordner und Dateien angelegt werden und gezielt Informationen beschafft werden können. Das Führen eines Portfolios dokumentiert den Berufswahlprozess und macht Entwicklungen deutlich. Gesammelte Zertifikate (z.B. Praktikumsbescheinigungen) können als Nachweis bestimmter Kompetenzen dienen und Vorteile im Bewerbungsprozess bringen.

Im Folgenden wird sich vertiefend erneut mit den eigenen Fähigkeiten und Stärken auseinander gesetzt. Neu hinzu kommen die Aspekte „Fremdeinschätzung“ sowie der Abgleich individueller Fähigkeiten und Stärken mit Berufsfeldern. Voraussetzung ist selbstverständlich das Kennenlernen der bedeutendsten Berufsfelder mit ihren Berufen. Am Ende dieser Unterrichtsreihe sollte jeder Schüler/jede Schülerin ein Berufsfeld Nummer 1 für sich erarbeitet haben.

 

Eine weitere Unterrichtsreihe umfasst die Erarbeitung wirtschaftlicher Grundbegriffe und des Aufbaus eines Unternehmens mit seinen diversen Abteilungen. Dazu gehört auch das Erkennen von Unterschieden zwischen Handwerk und Industrie.

 

Zur Vorbereitung auf das Schnupperpraktikum zu Beginn des zweiten Halbjahres der 8. Jahrgangsstufe wird –wenn möglich – entsprechend des zuvor erarbeiteten Berufsfeldes Nr.1 ein Betrieb in der Umgebung gesucht. In diesem Zusammenhang wird zum ersten Mal das Thema „Bewerbung“ behandelt - hier wieder wünschenswert fachübergreifend mit Deutsch.

 

In der 8. Jahrgangsstufe intensiviert sich im Fach Arbeitslehre der Berufsorientierungsunterricht. Daneben steht den SuS das Beratungsbüro (BOB) zur Verfügung, um individuell Fragen ihrer Berufswahl zu besprechen. Terminabsprachen sowie Nachweise über erfolgte Gespräche sind erforderlich. Klassenlehrer_innen der Jahrgänge 7-9 haben an einer Fortbildung zum Thema „Das Beratungsgespräch in der Berufsorientierung“ teilgenommen.

 

Zunächst setzen sich die SuS im Unterricht mit den Grundbegriffen der Ökonomie auseinander (Bedürfnisse – begrenzte Mittel, Angebot und Nachfrage, Marktmodelle, Funktion des Geldes); sie lernen die Begriffe ARBEIT, UNTERNEHMER, ARBEITNEHMER, EINKOMMEN kennen. Das Zusammenspiel der Akteure der sozialen Marktwirtschaft verdeutlicht ihnen ihre Rolle als zukünftige Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt. In diesem Fach wird auch die Einführung des neuen Portfolioinstruments, der Berufswahlpass, durch den externen Träger unterstützt.

 

Zu diesem Zeitpunkt erfolgt dann der Übergang von der allgemeinen Thematik zur individuellen Auseinandersetzung mit der eigenen Berufswahl. Hier steht die erneute Potenzialermittlung eigener Interessen, Neigungen und Möglichkeiten im Vordergrund. Die Potenzialanalyse ist eine Stärken- und handlungsorientierte Analyse von Potenzialen. Ihre Ergebnisse sind, neben den schulischen Erkenntnissen, Grundlage für den weiteren Entwicklungs- und Förderprozess bis zum Übergang in Ausbildung bzw. Studium. Die Potenzialanalyse soll außerhalb der Schule in überbetrieblichen Bildungsstätten oder von vergleichbaren Bildungsträgern durchgeführt werden. Es geht um handlungsorientierte Aufgaben zu beruflichen Tätigkeiten und Fertigkeiten. Der außerschulische Lernort soll einen Computertest, ein Assessment Center, die Erprobung fachlicher und praktischer Potenziale sowie die Erkundung des persönlichen Potenzials bezogen auf Leistungsbereitschaft Geduld und Motivation bieten.

 

Ergebnisse der Potenzialanalyse werden schriftlich im Berufswahlpass dokumentiert und individuell mit den Jugendlichen ausgewertet. Die SuS erhalten neue Perspektiven und Hinweise für ihre weitere Entwicklung.

 

Daneben wird das Thema „Bewerbung“ – insbesondere im Fach Deutsch - aufgegriffen und ergänzt durch das Einüben von Tagesberichten.

 

Die Berufsfelderkundung beinhaltet ein Schnupperpraktikum, den BIZ-Besuch bei der Berufsberatung und ggf. den Besuch der Ausbildungsbörse im zweiten Halbjahr der Jahrgangsstufe 8. Ein Schnupperpraktikum ergänzt die Unterrichtsinhalte und ermöglicht für die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler die ersten Erfahrungen mit einem Wirtschaftsunternehmen. Eine Praktikumsauswertung schließt diese Unterrichtsreihe ab, indem umfassend Berufsfelder, Berufsbilder sowie berufstypische Arbeitsvorgänge besprochen und beschrieben werden. Am Ende des 2. Halbjahres erfolgt der erste Besuch bei der Berufsberatung in Düren: Das BIZ mit seinen Medien und insbesondere die jeweiligen Computerprogramme werden zum ersten Mal erprobt. Die Jugendlichen lernen ihre Berufsberaterin/ihren Berufsberater kennen. Der Berufswahlpass wird von den SuS, ggf. mit Unterstützung der Lehrkraft, mit relevanten Materialien (Dokumentationen, Berichte, Zeugnisse) bestückt.

 

Zum Ende des Schuljahres wird in einer Auswertungs- und Beratungsrunde, an der die Eltern, die Klassenlehrer*innen, die StuBos, der Berufsberater, ggf. die Schulleitung und die GL Lehrkraft teilnehmen, mit den einzelnen SuS durchgeführt, um den individuellen Stand im Berufswahlprozess zu besprechen und gezielt die Praktikumssuche für die 9. Jahrgangsstufe zu beginnen.

 

Die 9. Jahrgangsstufe steht unter dem Leitgedanken „Praxis der Arbeitswelt erproben“. Dieses erfolgt durch den begleitenden Unterricht an der Schule, in dem die SuS wöchentlich einen zweistündigen Unterricht im Fach Arbeitslehre/Wirtschaft erhalten.

 

Es wird das Thema „Berufswahl in einer sich wandelnden Gesellschaft“ mit der systematischen Erarbeitung einer Gegenüberstellung der eigenen Interessen/Fähigkeiten/Vorstellungen mit den Anforderungen der Ausbildungsberufe behandelt. Ein sogenannter „Realitäts-Check“ für die erarbeiteten Wunschberufe wird durchgeführt. Daneben werden Unternehmen und Beschäftigungsmöglichkeiten in der Region erarbeitet. Die Schülerinnen und Schüler befassen sich außerdem mit ihrer künftigen Rolle als Arbeitnehmer. Das Auffinden der richtigen Informationen steht weiterhin im Mittelpunkt, dazu gehören die Recherche im Internet sowie die Auswertung aktueller Printmedien. Im Deutschunterricht steht parallel das Unterrichtsthema „Bewerbung“ im Vordergrund. Praktikumssuche, Bewerbung um einen Praktikumsplatz sowie die Vorbereitung und Durchführung des Praktikums prägen den Unterricht. Die nach dem Praktikum abzugebende Praktikumsmappe wird als Leistungsnachweis gewertet, die Anforderungen an die Mappe werden somit ebenfalls vorher im Unterricht erarbeitet.

 

Die Schülerinnen und Schüler werden während des dreiwöchigen Praktikums von den jeweiligen Klassenlehrern und einem Mitglied des Teams Berufsorientierung betreut. Kontakte sind in der ersten Woche telefonisch und in der 2. oder 3. Woche durch den Besuch im Betrieb vorgesehen. Das Teammitglied ist im Gegensatz zu den Klassenlehrern konstant Ansprechpartner der Firmen. Im Fach Arbeitslehre/Wirtschaft wird das Praktikum ausführlich reflektiert. Ab der 9. Klasse werden nach dem Betriebspraktikum von außerschulischen Trägern mehrtägige Praxiskurse ergänzend im Sinne der individuellen Förderung angeboten. Hier sollen fachliche und soziale Kompetenzen vertieft werden. Die Berufsberatung der Arbeitsagentur ergänzt die schulische Berufsorientierungsarbeit durch Unterricht und individuelle Sprechstunden in der Schule. Das Beratungsbüro steht weiterhin zur Verfügung. Am Ende der 9. Jahrgangsstufe kommt es erneut zu einer Auswertungs- und Beratungsrunde, die eine Anschlussvereinbarung beinhaltet, die als Grundlage für Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz, bzw. Bewerbung für eine weiterführende Schule dient.

 

In der 10. Jahrgangsstufe sollen sich die Entscheidungen konkretisieren und Übergänge gestaltet werden. Praxiskurse können ggf. weitergeführt werden. Die Berufsberatung mit ihren Angeboten und ebenfalls das Gesprächsangebot im Beratungsbüro werden fortgeführt, hier liegt der Schwerpunkt auf individuelle Unterstützung, da zu diesem Zeitpunkt der Stand im Berufswahlprozess sehr unterschiedlich ist, viele wissen bereits, wie es für sie nach der 10. Klasse weitergeht, Verträge sind unterschrieben; andere suchen noch Ausbildungsstellen oder warten die Anmeldefristen für weiterführende Schulen ab. Der Unterricht im Fach Arbeitslehre/Wirtschaft wird in differenzierter Form durchgeführt, um auch hier individuell berufliche Perspektiven zu erarbeiten.

 

Infobretter informieren in den Eingangsbereichen über Aktuelles (Ausbildungsstellen, Termine, Veranstaltungen) zum Thema „Schule und Beruf“ informieren. Am Ende der 10. Klasse steht die endgültige Anschlussvereinbarung, die den Übergang von Schule zu Beruf dokumentiert.

2.3.3 Kooperationen in der Berufsorientierung

Vielfältige Kontakte zu ansässigen und im Tagespendelbereich befindlichen Unternehmen (z.B. KURS-Partnerschaften) sind die Grundlage für unsere Arbeit. Diese beinhaltet, ein möglichst breites Spektrum an Berufsbildern den Jugendlichen unserer Schule realitätsnah und gezielt nahezubringen. Das Team Berufsorientierung hat einen Firmenpool nach Berufssparten und den Möglichkeiten der Zusammenarbeit angelegt.